Adolf Hitler, wenige Tage vor seinem Selbstmord, bei der
Betrachtung des Modells für die Neugestaltung der Stadt Linz
(Führerbunker, Berlin 1945)


"Es ist ein Fehler, zu denken, die nationale Revolution sei nur politischer und wirtschaftlicher Natur. Sie ist vor allem anderen kulturell."
Kampfbund für Deutsche Kultur, 1933


Die Kunstpolitik bildete von Beginn an einen wesentlichen Teil der gesamten politischen Arbeit der Nationalsozialisten, was allein die Tatsache zeigt, dass das erste grössere Bauvorhaben die Errichtung des "Hauses der Deutschen Kunst" in München war. In diesem Rahmen stellte die Gründung der "Nationalsozialistischen Gesellschaft für deutsche Kultur" im August 1927 durch Alfred Rosenberg - sie wurde 1928/29 in den "Kampfbund für deutsche Kultur" umgewandelt - den Beginn organisierter nationalsozialistischer Kulturarbeit dar. Ziel der Organisation war es, "alle Abwehrkräfte gegen die heute herrschenden Mächte der Zersetzung" zu sammeln und das deutsche Volk über "die Zusammenhänge zwischen Rasse, Kunst, Wissenschaft, sittlichen und soldatischen Werten" aufzuklären.

Die Kulturarbeit diente jedoch vor allem der Aufgabe, nationalsozialistische Ideen innerhalb jener Bevölkerungsgruppen zu verbreiten, die durch Massenversammlungen nicht oder nur am Rande erreicht werden konnten, namentlich mittelständische Kreise und das Kleinbürgertum, die sich traditionellerweise von der Arbeiterschaft abzusetzen versuchten und diese Differenz über das kulturelle Selbstverständnis realisierten.

Der Kulturbegriff erlaubte also einen Zugriff auf die völkischen und die nationalistischen Kreise sowie auf die altdeutsch-pangermanischen Zirkel, die sich allesamt unter dem Stichwort des Kulturverfalls gegen "vaterlandsfremde" Erscheinungen richteten: den Individualismus (mit der Erscheinungsform des künstlerischen Avantgardismus), das parlamentarische System (als Ursache der Klassengegensätze), die "Überfremdung" des Reiches (als Ursache für die Verarmung der kleinbürgerlichen Schichten).

Allen gemeinsam war auch die Vorstellung einer repräsentativen Kunst, die quasi ein Indiz für die kulturelle Homogenität darstellt und diese zum Ausdruck bringen soll. Die Ideologisierung der Kunst entwickelt Identifikationsmuster für alle Bevölkerungsschichten und wird zu einem zentralen Bereich jener symbolischen Ordnung, die die Nationalsozialisten zu errichten trachteten.

Der einsetzende "Kulturkampf" wird zum Spiegel der (vorgeblichen) gesellschaftlichen Umwandlungen und Neuordnungen.


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