KULTURKAMPF:
GEGEN DIE MODERNE


10. Mai 1933: Bücherverbrennung am Opernplatz in Berlin




"Da auch das Jahr 1936 keine befriedigende Besserung der Kunstkritik gebracht hat, untersage ich mit dem heutigen Tage endgültig die Weiterführung der Kunstkritik in der bisherigen Form.."
(Eine Anordnung von Joseph Goebbels über Kunstkritik vom 27. November 1936)


Die Diffamierung der Avantgarde erfolgte nicht nur aufgrund ästhetischer bzw. der Ethnologie und Rassentheorie entlehnten Kriterien, sondern bezog sich auch immer wieder auf das Moment der (postulierten) Entfremdung zwischen bürgerlicher Kultur und "elitärer" Kunstproduktion: letztere bewege sich jenseits des (gesunden) Menschenverstandes, verlasse den allgemeinen (guten) Geschmack und wirke dadurch ganz allgemein kulturzersetzend.

Die Moderne wird zum "Anderen" der Kultur, das sie unaufhörlich in ihrem Bestand bedroht, das die Zersetzung des Staatskörpers, des rassischen Kollektivs, sozusagen antizipiert. Gerade jenes Moment der Avantgarde, das sie als solche legitimiert, wird jetzt gegen sie gekehrt: sie verlässt den Rahmen des gesellschaftlichen Konsenses auf ästhetischem Gebiet und stellt sich damit jenseits des Staatskörpers - der von der Avantgarde postulierte ästhetische und nationale Pluralismus der kulturellen Ausdrucksmöglichkeiten wird als Negation einer "reinen" Kultur definiert.

Die kulturpolitische Agitation - der vermeintliche "Kulturkampf" - erkannte in diesem Zusammenhang das vor allem massenintegrierende Moment der Instrumentalisierung gesellschaftlicher Ausdifferenzierung und Spezialisierung: sie greift das Moment der Entfremdung innerhalb hochindustrialisierter Kultur auf und lenkt es beispielhaft auf den Bereich der Kunst, die dabei immer wieder zur klassischen Figur des Anderen wird, das sich jenseits der konventionalisierten Kultur positioniert und diese durch sein Ausserhalb-Stehen permanent in Frage stellt.

Kunst, wie sie die Moderne skizziert hat - als Entgrenzung von Material, Techniken, Inhalten und Stilen - wird als dieses Andere zur Projektionsfläche kollektiver Ängste und Vorurteile: ein jüdisch-bolschewistisches Treiben, das nur durch eine vollständige "Revolution" der Werte wieder aus dem kollektiven nationalen, deutschen Kunstempfinden ausgeschlossen werden kann. Der Kampf um die Kunst wurde zu einem Kampf um das Bewusstsein der Menschen.

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