DIE KUNST : DAS ANDERE


Ausstellung "Entartete Kunst"


Indem die nationalsozialistische Kunstpolitik ein rigides und normatives Bezugssystem ästhetischer Werte entwarf, definierte sie gleichzeitig einen Raum, der ausserhalb dieses Rahmens lag, einen Raum, der dasjenige umfasste, das diese Norm ausschloss.

Ein paradigmatischer Zug der gesamten Kulturpolitik der Nationalsozialisten war die permanente "Produktion" eines Anderen, das jenseits und ausserhalb des neuformierten Kollektivs stand: die "entartete"Kunst als Produkt eines Kulturverfalls, die rassisch minderwertigen Völker als Produkt eines rassischen Verfalls.

In dieser Konstruktion des Anderen wird auch der latente Antisemitismus der völkischen Kreise instrumentalisiert sowie die durch die ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungen hervorgerufenen Ängste des Kleinbürgertums und des bürgerlichen Mittelstandes. Der Sozialismus etwa wird zum Sammelbegriff des politischen Anderen, das "Judentum" zum Schlagwort des rassischen Anderen, die Avantgarde Symbol eines künstlerischen Anderen.

Als Ausdruck wie Ursache des "Niedergangs deutscher Kultur" wird dieses Andere zur Legitimierung der "Revolution" benützt und ist zugleich Projektionsfläche alles Negativen wie Entschuldigungsgrund aller kulturpolitischen (und letztlich militärischen) Aktionen.

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